Abnehmtabletten – zu schön um wahr zu sein?

Abnehmtabletten

Abnehmtabletten gegen Übergewicht? Wenn die bisherige Kleidergröße nicht mehr passt und der Bikini durch Shapewear-Badeanzüge ersetzt wird, wären ein Sportprogramm, Disziplin und Genügsamkeit angesagt. Doch stattdessen greifen viele zur Tablette.

Hier gibt es einen schier unüberschaubaren Markt mit zahllosen Produkten, unter denen hauptsächlich drei Gruppen zu finden sind:

1. Fatburner

Die sogenannten Fatburner sind Tabletten, die Wirkstoffe enthalten, die Fett verbrennen sollen. Dieser Effekt wird zum Beispiel bestimmten Enzymen zugesprochen. Fett soll so ausgeschieden, anstatt verstoffwechselt werden.

2. Appetitzügler

Eine anderCatechinee Wirkungsweise sollen die Appetitzügler entfalten. Eine dieser Wirkstoffgruppen sind Catechine aus Grünem Tee.

Tatsächlich hat Grüner Tee die Wirkung, Appetit zu dämpfen und das Anlagern von Fett in der Leber zu reduzieren. Außerdem regt er den Stoffwechsel an und damit den Energieumsatz.

Bisher bezeichnen ihn Mediziner jedoch allenfalls als gute Ergänzung zum Abnehmen. Verbraucher, die Abnehmtabletten kaufen, wissen nicht immer, ob der Extrakt aus Grünem Tee entsprechend hochwertig in den Tabletten enthalten ist – die Wirkung der Catechine kann etwa bei falscher Zubereitung von Grünem Tee beeinträchtigt werden.

Außerdem haben Catechine auch Nebenwirkungen, die jetzt erst näher erforscht werden. So rät man Schwangeren von dem Genuss Grünen Tees ab, ebenso Menschen die an Nieren- und Magenerkrankungen leiden sowie unter Hämophilie, der so genannten Bluterkrakheit.

Tabletten enthalten oft hoch dosierte Extrakte, die Medizin verwendet zum Beispiel in Studien sogar Präparate, die extrahierte Catechine enthalten und somit hoch effektiv sein können. Zum Abnehmen dürften fünf Tassen Grüner Tee pro Tag wirksam sein.

3. Quellende Wirkung

Es gibt aber auch Appetitzügler, die gewissermaßen mechanisch wirken: In Tabletten enthaltene Pflanzenstoffe quellen im Magen auf und bewirken ein Völle- und Sättigungsgefühl.

Diese Tabletten sollen zum Teil auch entwässernd wirken, was sich natürlich auf der Waage als erster Erfolg deuten lässt. Doch sollten die Abnehmtabletten wie beschrieben wirken, dürften sie auch das drastische Reduzieren der Nahrungsmenge zur Folge haben.

Man isst viel weniger, erreicht das Wunschgewicht, setzt die Tabletten ab – und nimmt wieder zu, weil sich der Körper auf die geringe Kalorienzufuhr eingestellt und die Nahrungsverwertung optimiert hat.

Sinnvoller ist es, den Magen mit Ballaststoffen zu füllen. Beispielsweise mit einem gemischten Salat und einer Scheibe Vollkornbrot dazu. Diese Mahlzeit sättigt eine ganze Weile.

Wer dennoch zu Abnehmtabletten greifen möchte, sollte sorgfältig auf die Inhaltsstoffe achten und den Hausarzt befragen. Das ist auch ein Muss für jene, die regelmäßig Medikamente einnehmen und nicht die Wechselwirkungen mit den Abnehmtabletten kennen.

Risiken

SynephrinBei den Fatburnern in Abnehmtabletten ist ein Wirkstoff in die Schlagzeilen geraten: Synephrin, ein Inhaltsstoff der Bitterorange.

Das deutsche Bundesamt für Risikobewertung hat darauf hingewiesen, dass Synephrin in Verbindung mit Koffein die Herzfrequenz erhöht und Herzrhythmusstörungen verursacht.  In einem Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht mehr als 6,7 Milligramm pro Tag eingenommen werden.

Übergewicht – ausgerechnet der Grund, die Abnehmtabletten zu kaufen und einzunehmen – ist ein weiterer Risikofaktor bei der Verträglichkeit Synephrin enthaltender Diätpillen.

Wird während der Einnahme auch noch Sport getrieben, steigt das Risiko zusätzlich.  Zudem, warnt das deutsche Bundesamt für Risikobewertung, seien einige Produkte aufgrund der Dosierung nicht sicher. Das ist bei der Wahl der Abnehmtabletten unbedingt zu beachten.

Neuer Ansatz

Neu sind Tabletten, die Adipotide enthalten. Diese sollen im Tierversuch erfolgreich die Versorgung von Blutgefäßen in Fettgewebe abgeschnitten haben. Fettpolster werden gewissermaßen ausgehungert.

Allerdings wurden auch hier Nebenwirkungen gemeldet. Die Rhesus Affen, die als Testprobanden herhalten mussten, wiesen Nierenfunktionsstörungen auf, die allerdings wieder verschwanden.

Auch die Wirkung der Adipotide ist reversibel, das heißt, dass sich die Fettgefäße etwas zeitverzögert nach dem Absetzen der Abnehmtabletten wieder aufbauen.

Skepsis

Experten äußern sich immer wieder skeptisch zum Thema Abnehmtabletten und verweisen auf die klassischen Methoden.

Wer mit Hilfe der Diätpillen Kilos verlieren will, sollte in jedem Fall vorher seinen Hausarzt konsultieren.